Kennt Ihr den Film “Start Trek VII: Generations“?
Dort versuchte der Bösewicht ohne jegliche Rücksicht in den “Nexus“ zu gelangen, ein Raum-Zeit-Phänomen in dem man entrückt von der wirklichen Welt in einer Traumwelt leben kann.
Zurück aus dem Nexus
Rückblickend war das Jahr in Neuseeland für uns ein Jahr in einem solchen Nexus. Wir lebten in einer anderen Zeitzone fern ab der übrigen Welt. Das tägliche Leben, die Sorgen, die Informationsflut belästigten uns kaum. Statt sich Gedanken über Politik, Wirtschaft oder Arbeit zu machen fragte ich mich mittags welche Sorte Muffin ich abends am Strand essen will. Oder zerbrach mir den Kopf darüber ob gerade die Flut den Strand besetzt hat und ich erst eine Stunde später schwimmen gehe.

Sich treiben lassen im Nexus
Jetzt, zurück in Deutschland, ist das Leben hektischer geworden. Wir haben wieder das Gefühl in sozialen-wirtschaftlichen-politischen-oder-sonstwelchen-Spinnennetzen zu stecken. Ständig prasseln Informationen auf einen an, die Leute können erreichen und die angesammelte Entspannung trägt sich ab. Und wir wünschen uns ganz oft zurück.
Zurück in den Nexus?
Ist Deutschland damit schlechter als Neuseeland? Weniger lebenswert?
Wenn wir das wüssten, dann hätten wir ein Problem weniger. Nämlich die Entscheidung, ob ich eine Doktorstelle in Auckland annehme und dort in den nächsten 4 Jahren einen “Doctor of Philosophy” im Recht mache.
Hört sich zunächst super an und solange wir noch in Neuseeland waren, kam nichts anderes in Frage. Aber jetzt in Deutschland haben wir auch die Vorteile Deutschlands kennen gelernt:
- Freunde und Familie, die wir immer besuchen können (und bei vielen es langsam tun sollten)
- Bessere Internetverbindung. Viel bessere.
- Die Gespräche mit Leuten sind tiefer und weniger oberflächlich.
- Es gibt noch Länder neben an, die man ohne Schiff/Flugzeug erreichen kann.
- Die Vielfalt der Kultur (viel mehr Metal&Punk-Konzerte
)
- Zentralheizungen und isolierte Häuser
- Der Durchschnittsverdienst ist doppelt so hoch.

In Deutschland viel, viel entwickelter- Computerspiel- und LAN-Kultur
Seltsam, ich hätte es nie gedacht, aber ich finde Deutschland jetzt viel besser als vor anderthalb Jahren. Nachteile gibt es in Deutschland aber auch viele:
- Hektischeres, unentspanntes Leben
- Ein kaum durchschaubares Versicherungsnetz
- Wetter, es ist Sommer und es regnet dauernd. Naja, so fühlt es sich wenigstens wie der Kiwiwinter an.
- Licht, liegt Deutschland unter einem Graufilter?
- Bleiche Gesichter und mürrische Blicke überall.
Dann kommen wir mal zu Auckland, was sind dort die Vorteile? (Ich spreche von Auckland, weil andere Ecken in Neuseeland, wie Wellington oder die Südinsel für uns nicht in Frage kommen. Zu windig, zu kalt oder zu fern ab.)
- 9 Monate Sommer
- Licht, viel Licht. Dieses Licht ist wie eine Droge, eine Ladung Energie, die man jeden Tag indiziert bekommt. Schon beim Aufstehen fühlt man sich besser, wenn alles (auch im Winter) hell und grün ist. Genau genommen machen das Licht und das Wetter 90% aller Argumente nach NZ zu gehen aus.
- Meer, blauer Pazifik mit Möwen, Haien und Vulkaninseln. Nein, Hamburg ist kein Ersatz. Hamburg ist kalt.
- Bewegung. In Neuseeland lebt man mehr draußen. Deutschland ist eher ein Land für Drinnies. Ich glaube dort täglich 10x soviel wie in Deutschland draußen gewesen zu sein.
- Das Fernsehprogramm ist besser, kreativer und internationaler.
- Die meisten Menschen lächeln!
Schön wäre es ohne, aber auch Auckland hat Nachteile:
- Die Wohnungen sind teuer (Wie in einer deutschen Großstadt), der Verdienst dagegen halb so hoch wie in Deutschland.
- Die Wohnungen sind im Schnitt qualitativ viel schlechter.
- Behörden und auch die Uni nerven, weil man hinter allem her laufen muss.
- Flöhe.
- Viel mehr Oberflächlichkeit unter den Menschen.
- Wir müssten dort arbeiten und bei Urlaubszeiten von 14-20 Tagen würden wir von Neuseeland und vor allem dem Rest der Welt nicht viel sehen.
- 1 Jahr ist eine überschaubare Zeit, in der man mit einem Urlaubsgefühl leben kann. Aber in 4 Jahre kann sich alles wieder schnell in täglichen Trott wandeln.
- Das letzte Jahr war wundervoll, toll, großartig, perfekt. Irgendwie haben wir Angst diesem Glanzstück an Lebenszeit Kratzer zu verpassen oder gar versuchen es zu kopieren.
Tja, und jetzt?
Die bärige Alternative
Tja, seit Wochen wiegen wir diese Argumente hin und her, sind mal pro Kiwi, dann wieder pro Deutschland un umgekehrt. Wir müssen aber unseren Nomadentrieb befriedigen. Und daher kamen wir auf folgende Idee:
Wir könnten nach Berlin ziehen. Es wäre auch was anderes, eine richtige Großstadt mit neuen Erfahrungen, neuen Menschen und Eindrücken. Dort gibt es auch genug Kinos mit Filmen in Originalsprache. Dafür würden wir uns im Winter 3 Monate Urlaub nehmen, um hier nicht im Winter zu hocken. Statt dessen könnten wir in dieser Zeit mehr von der Welt sehen, als wir es in Neuseeland täten. Und das ganze, zumindest geistig, auf 2 Jahre beschränken. Denn was wir nicht mögen ist das Gefühl irgendwo auf Dauer festzusitzen.
Und Katja hat schon konkrete Reisepläne:

Und was hält Ihr davon?
Sollen wir zurück nach Neuseeland?
P.S. Schön Euch hier wieder zu sehen!