Vor 3 Jahren haben 2,5 Monate lang Neuseeland in einem kleinem Van bereist. Bett und Miniküche schienen zunächst kaum groß genug für die Zeit zu sein, entpuppten sich jedoch als die Freiheit schlechthin. Wir standen in den wundersamsten Wäldern, wachten an Abgründen auf und badeten in türkisblauen Flüssen.

Dieses Mal sind wir 3 Wochen mit dem Auto unterwegs und übernachten in Hostels. Hostels sind so etwas wie Hotels, bloß mit Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsbad und gemeinschaftlich überhaupt. Dafür sind sie günstig. Damals habe ich gedacht, dass das Hostelleben wahrscheinlich bequemer ist, als die allabendliche Suche nach einem einsamen Stellplatz für den Van. Und vielleicht bisschen geselliger. Mittlerweile sehe ich es anders.
Man muss sich immer um Zimmer in Voraus kümmern, und auf Emails reagiert man hierzulande noch selten. Man muss sich auf die Hostelbesitzer einstellen, die meinen entweder einen mit ihrer Herrlichkeit zuzusülzen oder den Herrn im Hause raushängen zu lassen. Man muss auf Duschen warten, die Knoblauchgerüche aus der Küche ertragen und ist viel weniger draußen. Zudem wird man gefragt wo man her kommt, wo man hingeht und wie lange man in Neuseeland ist (ist so was wie ein Schwanzvergleich unter Hostelreisenden). Versucht man dem zu entgehen, wird man argwöhnisch beäugt.
Ein klasse Beispiel, das die Aufs und Abs des Hostellebens vereint, hatten wir erst vor wenigen Tagen. Als wir das Hostel betraten, dachten wir Neuseeland aus Versehen gen Hostelparadies verlassen zu haben:
- Gemauerte Wände
- Mischbatterien im Bad
- Waschmaschine mit warmen Wasser
- Fußbodenheizung
- Frauenkloeinrichtung (geht hin und lacht)
- WLAN ohne limits und kostenlos
- Dazu (und wieder neuseeländisch) eine Feuerstelle, ein großer Raum, mit Sofas und Schaukelstühlen zum rumlümmeln und ein rundum Blick aufs stürmische Meer.
- Und ein Gastgeber, der den Preis um $12 runtergerundet hat.
Tag später sahen wir es anders.

Zunächst kam der Klassiker, die Gitarre. Kann mir eigentlich jemand sagen, warum alle Deppen meinen im Urlaub andere mit ihrem Gitarrenspiel zu nerven? Es sind fast immer diese Jesustypen oder Ukulelebratzen in Kindergärtnerinnen-Look (Ich wäre gerne ein Hippie, aber mein Erziehungsauftrag verbietet es mir), die nie ein ganzes Lied oder meinetwegen fünf spielen, sondern dauernd und über Stunden ein paar Akkorde rumklampfen. Bitte, lernt es woanders. Z.B. Zuhause oder verwirklicht Euch einen Traum, macht Euch am Strand ein Lagerfeuer und nervt dort die Seebären. Und wenn wir alle Glück haben werden sie Euch auffressen und die Gitarre im Feuer verbrennen.

Aber ich schweife ab, denn das dicke Ende kam am nächsten Tag. Weil ich arbeiten musste, Katja sich nicht wohl fühlte und es eh regnerisch war, blieben wir im Hostel und genossen die Sitzmöglichkeiten und wuschen unsere Wäsche (2 Ladungen + extra spülen, weil sie von der Gischt beim trocknen salzig geworden ist). Dann kam der Hostelbesitzer und rastete aus, meinte wir sollen nicht mehr waschen. Zwar warfen wir Geld in die Waschmaschine, aber deren Preis wäre aufgrund seiner Großzügigkeit zu niedrig berechnet und drei mal waschen wäre unverschämt. Zudem seien wir ihm im Weg. Er erwarte, dass die Gäste tagsüber was unternehmen (Nein, er wohnte nicht im Hostel), anstatt seine Einrichtung zu viel zu benutzen (Ich habe bestimmt eine Delle in den Stuhl gesessen…). Wir haben das Hostel sofort verlassen. Wat’n Arsch! Bei der Erstattung der nicht genutzten Nacht hat er die 12 Dollar übrigens wieder abgezogen.
Übernachtet haben wir im Zelt auf einer duftenden Waldlichtung, wo uns morgens die Vögel begrüßt haben und ein Fluss zum Baden einlud. Wir beschlossen die nächste Reise nur mit einem Van zu machen. Ohne Gitarrenheinis, ohne dumme Hostelbesitzer. Dafür mit viel mehr Natur.