So mit Abstand wirds mal Zeit für ein paar Resümés.
Fangen wir mit den Kiwis an, von denen 4 Millionen in Neuseeland leben. Sind die wirklich freundlich, locker und zuvorkommend wie man es von allen Seiten hört?
Jein.

Nirgendwo auf der Welt habe ich ein größeres Eis bei Burger King bekommen.
Nach unserer ersten Neuseelandreise waren wir erstaunt wie locker die Kiwis sind. Mit Flipflops unterwegs, lächelnd und von unseren Campervanvermietern wurden wir sofort zum Essen und Duschen
eingeladen.
Im letzten Jahr hat sich dieses Bild bisschen relativiert. Denn auch Kiwis können rabiat werden, wenn man deren Lebensarten nicht beachtet. Zum Beispiel gehört das Vordrängeln in einer Schlange zu den Todessünden. Als ich mich mal nach 45 Min stehen an einem Schalter kurz entfernt habe und gleich wieder kam, motzten mich ein paar Herren an, dass ich gefälligst nach hinten gehen soll. Und wenn man nicht entspannt genug ist und zum Beispiel beim BBQ noch von der Arbeit redet wird man schon ganz ernsthaft zurecht gewiesen, dass man das Deutsche nun ablegen und sich entspannen soll. Halt militant entspannt die Kiwis.
Sowieso sollte man nicht allzu sehr aus der Reihe tanzen. Gleichheit wird in Neuseeland groß geschrieben. Wer zu strebsam ist und womöglich auch noch angeberisch, der fällt sofort auf.

Süß, Werbung für Inlandsprodukte mit bekannten NZ-Sportlerinnen Georgina & Caroline Evers-Swindell als beef & lamb ambassadors
Das ist auch kein Wunder in einem Land, das ganz lange für sich lebte, weder besonders reich oder arm war und sich auch ein bisschen von der Welt vergessen fühlte. Dies führte zur Kultivierung eines Selbstbildes als unabhängige Außenseiter, die gut alleine zu Recht kommen.

Stehende, sitzende und ein falscher Kiwi
Und das nette Lächeln haben Neuseeländer wirklich gut drauf. Es fällt uns wirklich schwer sich in Deutschland daran zu gewöhnen, dass man von Servicekräften im Supermarkt nicht angelächelt wird. Anderseits kann auch das nerven. Wenn ich mal auf 180 war und meine Wut rauslassen wollte, dann konnte ich es angesichts eines verständnisvoll lächelnden Gegenübers, das gebetsmühlenartig nette Floskeln wiederholte, nicht. Fies! Das heißt nicht, dass Kiwis sich nicht ärgern. Sie machen es bloß auf eine nette Art und Weise und schon gar nicht vor Fremden.

Krabben, eindeutig das Lieblingstier von NZ-Kindern. Weit abgeschlagen – die Seesterne.
(eine public school in Auckland). 
Vielleicht kann man das plastischer in Schulhoftypen ausdrücken. Die kennt ja jeder:
- Die Deutschen sind da die strebsamen aber lebensbewussten Schüler, die zwischen Karriere und Jutetüte leben, eigentlich nicht wissen was sie wollen, irgendwas ja tun müssen, dann aber ordentlich. Sie finden alles scheiße und meistens auch sich selbst.
- Die Amerikaner sind die Kinder wohlhabender Eltern, die natürlich gerade aus dem Austauschjahr kommen, gerne englische Floskeln nutzen und toll im Sport sind.
- Die Australier sind die, die immer schön grinsen, nett zu allen sind und immer “es wird schon” sagen. Nette Freunde ohne belastenden Tiefgang, mit denen man gerne in den Urlaub fährt.
- Die Tonganer sind die Kiffer, denen alles scheiß egal, solange sie was zu rauchen haben und die Sonne ihnen auf den Bauch scheint.
- Die Briten sind die perfekten Typen für ne Sauftour, die jedoch wegen latenter Aggressivität schnell in einer Schlägerei endet. Also Freunde, die man gerne kennt, aber nicht richtig dazu gehören will.
- Die Franzosen sind die elitären Außenseiter, die viele Frauenflüsterer in ihren Reihen haben, aber gerne unter sich bleiben.
Und wie sind die Neuseeländer? Die Neuseeländer wären in diesem Biotop das unauffällige Grüppchen, das man während der Schulzeit kaum zu Kenntnis nimmt und sich auf dem Abitreffen fragt, wer diese Leute eigentlich waren. Sie waren doch wirklich nett und nur ein bisschen schrullig.
- Sie sind gerne unter sich, aber anders als die Franzosen fühlen sich nicht besser.
- Sie sind nicht so gerissen wie die Amerikaner, wollen aber auch nicht die Welt erobern. Vorne mitzulaufen behagt den Kiwis nicht. Sie mögen es auch nicht, wenn sich welche ständig hervor tun wollen.
- Sie lächeln gerne wie die Australier, wollen aber ja nicht mit denen konkurrieren, weil sie fürchten in allem schlechter abzuschneiden.
- Sie rauchen ab und zu mit den Tonganern, aber wollen nicht unter die Leistungsmitte fallen.
- Den Briten fühlen sie sich nah und heben gerne einen mit denen, kommen aber beim Trinken nicht mit und Pöbeln ist ihnen peinlich.
- Die Deutschen finden sie suspekt, sie sind erstaunt über deren Strebsamkeit, die ihnen auch gut auf den Sack gehen kann, verstehen dann aber nicht warum die so schlecht über sich selbst reden. Seltsames Volk.
Tja im Endergebnis kann ich nur sagen, dass die Kiwis meist sehr nette und interessante, aber im Schnitt keine bessere Menschen sind. Nur anders. Vieles ist mit denen einfacher, da ich jedoch nicht unbedingt von der unehrgeizigen Sorte bin, einiges auch schwieriger. Eigentlich sind sie das perfekte Gegengewicht, das mir Entspannung verschaffte. Nur für meine Physiognomie waren sie nicht zuträglich. Jetzt habe ich viel mehr Lachfältchen im Gesicht!

Es gab in NZ zwar nur eine Computerspielezeitschrift, dafür aber zig Ausgaben zum Thema Jagd & Fischen. Besonders mochte ich den Pig Hunter, in dem Männer Bilder mit Schweinen auf dem Rücken einsenden konnten. Schweinetragen ist auch eine tolle Trendsportart.
Ergänzung: Ein ebenfalls resümierender Beitrag mit noch mehr Erfahrung auf Ultru.net: Zwei Jahre Neuseeland – der Jubiläumseintrag