Gestern habe ich einem typischen neuseeländischen Spendenevent beigewohnt, im Laufe dessen ich zum Wohle eines krebskranken Babys einem Mann den Hintern versohlt habe.
Das krebskranke Baby ist Ethan, der mit einer Krebserkrankung auf die Welt gekommen und mit wenigen Wochen die erste Chemotherapie hinter sich gebracht hat. Ein wirklich trauriges Schicksal, das vor allem die Eltern finanziell stark belastet.
Ein Glück für sie, dass sie viele Freunde und Nachbarn haben, die für sie in Clare Inn, einem Irish Pub, einen Spendenmarathon organisiert haben. Aber keine tiefernste Trauerveranstaltung, sondern eine Spaßevent, bei dem jeder mit Freude spenden sollte. Diese Art zu helfen ist typisch für ein Land, das Jahrhunderte lang isoliert vom Rest der Welt lag und daher seine Bewohner eine starke Sozialgemeinschaft entwickelt haben. Das ist in Deutschland zwar bei Spendengalas im Fernsehen üblich, aber selten im Privatrahmen. Denn die Deutschen spenden nach guter christlicher Sitte am liebsten anonym. Mir gefällt das öffentliche Spenden aber mehr. Vor allem wenn es so wie gestern abläuft.
Die Veranstaltung war genau genommen ein Rollenspiel, das sich um Pferderennen drehte. Zuerst konnten die Großspender Pferde bei einer Auktion ersteigern, auf die man bei anschließenden Rennevents setzen und gewinnen konnte. Die Rennen wurden dann vom Videoband abgespielt. Gewonnen habe ich leider nichts, obwohl ich mir immer die Pferde mit den schönsten Namen, wie z.B. “Doggo’s Delight” mit dem Jokey “Bend over n’take it” gewählt habe. Aber der Abend bewegte sich dann doch noch in die Richtung, die diese Namen versprachen.

Clare Inn, Auction on Vimeo.
Mit fortschreitender Zeit wurde es nämlich noch richtig feucht-fröhlich und so beschloss “Piggy” ein Stammgast, der nie um einen sexistischen Witz verlegen ist, zu strippen. Und weil dies ein so großer Erfolg war, bot er den Ladies an für $10 Spende seinen Hintern zu versohlen. Diese Gelegenheit habe ich beim Gürtel gepackt (Er war umgedreht und wusste ja nicht, dass ich nicht ganz ne Lady war). Ich meine, wer kann schon von sich behaupten einem halbnackten Mann den Hintern versohlt zu haben? (Bundeswehrmitglieder ausgenommen) Gut, es war nicht erregend aber irgendwie geil.

Das wäre dann fast der Höhepunkt gewesen, wenn Neuseeland nicht zufällig an diesem Abend auch noch gegen Australien die Rugby League Weltmeisterschaft gewonnen hätte (vom Stellenwert vergleichbar mit Handball in Deutschland und nicht mit den All Blacks der Rugby Union zu verwechseln; Ich weiß, ist verwirrend). Dabei muss man wissen, dass Kiwis ein ausgeprägtes Rivalitätsverhältnis zu den Australiern haben und die letzteren seit unvordenklicher Zeit alle Weltmeisterschaften gewonnen haben. Sprich, der Sieg war so wahrscheinlich wie ein Fußballweltmeisterschaftstitel für Polen und daher explodierte das ganze Pub plötzlich in einem lang andauernden kollektiven Gesang.

Clare Inn – Singing from Thomas on Vimeo.
Insgesamt sind dabei $7.500 an Spenden herum gekommen. Und das schöne daran war, dass es kein Trauerakt war. Zwar gingen Fotos von dem kleinen rum und er hatte aller Mitleid, jedoch war das kein Grund den Spaß am Leben zu bremsen. So konnte ich, obwohl ich mein ganzes Geld losgeworden bin, das erste Mal mit dem guten Gewissen nach Hause gehen, mich für eine gute Sache betrunken zu haben. Yo!
