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Waitangi Day – Neuseeland feiert seine Gründung

7. Februar 2009 von thomas

Gestern habe ich mich an einem Feuer mit ein paar Kiwis über deren nationale Identität sowie deren komplizierten Weg dorthin unterhalten. Und Glenfiddich genossen, was letztendlich dazu führte, dass wir anfingen das “Treaty of Waitangi” auszulegen. Denn es gibt keine besseren Trunkspiele, als jahrhundertalte Abkommen auszulegen, oder? ;)

Wie, Zweifel daran? Ha, Ihr kennt das Treaty of Waitangi nicht. Es handelt sich um ein Abkommen aus dem Jahr 1840, das zwischen der britischen Krone und vielen Maorihäuptlingen geschlossen wurde. Es sollte zur Klärung der vielen Streitigkeiten um Land, Bürgerrechte und Machtverteilung in Neuseeland beitragen. Doch dahin war und ist immer noch ein langer Weg.

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Originalurkunde des Treaty of Waitangi, Quelle: Wikipedia

Die Maori bekamen vor allem Bürgerrechte und Eigentumsrechte zugesichert. Im Gegenzug erhielten die Engländer die Hoheitsgewalt über das Land. So gesehen, war es eine erstaunlich humanitäre Kolonialpolitik, die den Grundstein für eine einheitliche Nation legte.

Aber auch wenn der Ansatz gut war, so war die Ausführung nicht die beste. Zum einem haben die allesamt juristisch nicht vorgebildeten Verfasser rund um den Gouverneur William Hobson das gute Stück nur in vier Tagen geschrieben. Zum anderen waren für die Maori die gesprochenen Worte viel wichtiger als das geschriebene Dokument selbst. Das größte Problem war jedoch die Sprache und das unterschiedlich Verständnis der verwendeten Begriffe. Denn der Text ließ sich nicht 1:1 übersetzen.

So steht im Englischen “Eigentum“, wo in Maori von “taonga”, den “geschätzten Dingen” die Rede ist. Das führte z.B. dazu, dass die Maori heutzutage Ansprüche auf den Seeboden erheben. Insgesamt ist das Verhältnis zum Eigentum anders. So verstanden sich die Häuptlinge nie als Eigentümer eines Landstückes, sondern als dessen Bewacher. Daher übertrugen sie nie ein “Eigentum” in unserem Sinne, sondern erlaubten anderen das Land zu nutzen, konnten es aber zurückfordern. Ebenso hatten die Maori wohl kein Verständnis dafür, was “Englische Hoheitsgewalt unter einer Gouverneurregierung” bedeutet.

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Unterzeichnung des Treaty of Waitangi, Marcus King, Quelle: Wikipedia

Überhaupt wurde das Abkommen noch bis in die Mitte des 20sten Jahrhunderts teilweise als rechtlich unwirksam angesehen. Erst die Maoriproteste in 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts führten, dazu dass das Abkommen nunmehr Beachtung findet und sogar ein “Waitangi Tribunal” (Quasi ein Amt für die Auslegung des Abkommens) eingerichtet wurde, dass alle Rechtsfragen bis zum Ende der nächsten Dekade abschließend klären soll. Mittlerweile sind die Maori so erfolgreich darin, Rechte aus dem Abkommen einzuklagen, dass viele die Balance auf Seiten der Maori sehen.

Aber letztendlich ist das “Treaty of Waitangi”, auch wenn es keine Verfassung und nicht gerade ein juristisches Meisterstück ist, für die Kiwis der Grundstein ihrer Nation. und ein Grund sie am Waitangi Day zu feiern. Denn mögen auch innen Spannungen herrschen, die auch an dem Tag zu Protesten führen, nach außen hin verstehen sich sowohl die Pakeha (die Weißen), wie die Maori als eine neuseeländische Nation.

Und es ist ein Anlass sich in geselliger Runde als Hobbystaatsrechtler zu versuchen. Genauso, wie in Deutschland am 3. Oktober jeder über die deutsche Verfassung und die Wiedervereinigungsverträge spricht… Okay, aber sprechen könnte. War das kommunistische Verständnis vom Eigentum in der DDR nicht auch ein anderes? ;)

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This entry was posted on Samstag, Februar 7th, 2009 at 10:30 pm and is filed under new zealand. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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4 Responses to “Waitangi Day – Neuseeland feiert seine Gründung”

  1. projektleiterin Says:

    Das Design von deinem Blog ist voll süß und nett! Allerdings muß ich horizontal scrollen, weil meine Auflösung nur 1028 x 768 Pixel beträgt.

  2. Yiim Says:

    Dann einmal Herzlichen Glückwunsch zur Gründung!

  3. thomas Says:

    @projektleiterin: Danke sehr, ich möchte damit meine Unterstützung für Breitformatbildschirme zum Ausdruck bringen. ;) Ja, ich scroll mit dem MacBook auch, aber dafür sieht es auf großen Bildschirmen nicht soo verloren aus.

    @Yiim: Stellvertretend Danke!

    Übrigens sind die Kiwis gar nicht so euphorisch was ihre Nationalität angeht wie z.B. Franzosen, Amerikaner oder Australier. Alle Veranstaltungen haben eher einen historischen Charakter und Flagen sind man ebenfalls kaum.

    Hier ist ein TV-Bericht, der zeigt, dass Kiwis vor eigentlich nur in Verbindung mit Sport Ihren Nationalstloz zum Ausdruck bringen. Tony, der rechte von den beiden, die im Pub interviewt werden, ist übrigens meine Quelle an NZ-Wissen.

  4. Advisign - Recht und Webdesign » Blog Archiv » Neuseeland: „Three strikes and you are out“ ist Gesetz Says:

    [...] noch gut aus. In meinem Privatblog “Kiwispotting” schrieb ich vor ein paar Tagen, dass Neuseeland als Nation auf einem juristisch gesehen schlecht verfasstem Dokument fußt, dem „Treaty of Waitangi“. Und trotzdem sind die Kiwis stolz darauf und kommen als eine [...]

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