Autokauf in Neuseeland – Variante Auckland
8. April 2008 von thomasWie vor Ewigkeiten angekündigt kommt nun der Bericht über einen Autokauf in Neuseeland. Möge er den nachfolgenden Generationen von verwirrten Autosuchenden helfen
Drei Wege zum eigenen Auto
- Kauf beim Händler – im Gegensatz zu Deutschland eher ungewöhnlich und teurer
- Kauf auf einer Car Fair (Automesse) - das Standardverfahren, insbesondere für Preisbewusste
- Auf “For Sale”-Schilder in Autos achten. Insbesondere in der Nähe von Backpacker-Hostels sind diese zu finden. Eher Glückssache.
- Kauf bei trademe.co.nz (Kiwi-Ebay) – Schwer in Blick zu behalten und man kann nur auf ein Auto gleichzeitig bieten. Zudem sieht man die Dinger nicht. Ich würde es nicht machen.
Wir haben uns für die Nummer 2 entschieden. Den üblichen Weg im Kiwiland. Dazu nun mehr.
Die Wahl des richtigen Wagens
Das sollte man sich vorher klar machen.
- Kleinwagen gibt es erst in etwas höheren Preisregionen, weil die hier erst jetzt langsam in Mode kommen und es kaum alte gibt. Allerdings verbrauchen sie wenig und auch die neuseeländischen Spritpreise sind nicht ohne. Wer sich also hauptsächlich in der Stadt bewegen will (z.B. erst am Ende des Studiums auf Tour geht), der sollte einen Kleinwagen suchen und sich am Ende einen Campervan kaufen.
- Einen Campervan braucht man, wenn man drin schlafen und reisen möchte. Klar. Die gibt es im März billig (Ende Reisesaison) und im November teuer (Anfang Reisesaison).
- Stufenhecklimousinen sind üblich, aber m.E. unpraktisch, weil man keine sperrigen Dinge drin transportieren oder ab und an schlafen kann.
- Wer also sich nicht immer in der Stadt aufhalten will und womöglich auch später keinen Campervan braucht, der sollte zu einem Kombi greifen. Dadurch wird man auch unter Bekannten beliebter
Was das Image angeht, so sollte man sich keine Sorgen machen. Auch zu einem Job in einer Anwaltskanzlei darf man mit einem abgewrackten Auto fahren.
Das ist den Kiwis herzlichst egal. Und da sie keine eigenen Autos haben, sind Secondhandjapaner die Standardautos. Sie sind auch verlässlich und man kann sich mit Ersatzteilen sicher sein.
Benzin oder Diesel?
Benziner sind populärer, Dieselfahrzeuge dagegen selten. Allerdings muss man derzeit eine Road User Charge für ca. 3 Dollar für 100 Kilometer erwerben. Diesel kostet derzeit z.B. 1.40 und Benzin 1.80. Das sind grob 40 Cent unterschied, welche sich eigentlich bei jedem Auto sofort amortisiert haben. Zudem Diesel grundsätzlich weniger verbrauchen.
Und man muss daran denken, dass diese Road User Charge beim Kauf noch gültig ist. Sonst darf man ds Fahrzeug nicht fahren und muss vorher eine Lizenz erwerben. Zu kaufen gibt sie z.B. in Poststellen. Mehr Infos zum Thema Road user charges stehen hier.
Wo gibt es Car Fairs (Automessen) ?
Wir haben unser Auto auf der Car Fair am Ellerslie Race Course gekauft. Die Messe ist gut besucht, bietet alle Einrichtungen, um ein Auto prüfen und sofort kaufen zu können (dazu später). Und! Sie findet auch bei Regen statt
Die Messe findet Sonntags von 9-12 statt. Nimmt ein Taxi oder genug Zeit zum Laufen, Busfahren am Sonntag ist Glückssache.
Dann gibt es die car fair am Britomart mitten in der City. Diese findet Samstags vormittags statt. Es sei denn, es regnet. Dann kann sie auch mal ausfallen. Daher haben wir sie nie gesehen, da es 2 Samstage in Folge heftig regnete.
Die Backpacker Car Market kennen wir persönlich nicht, haben aber auch nichts Positives davon gehört.
Eigentlich keine Automesse sondern ein Umschlagplatz für Seconhand Autos frisch aus Japan ist Real Wholesale Cars am Hafen. Als wir da waren gab es jedoch nur 2 Autos in der Preisregion um $ 3.000- $ 4000.
Sonst gibt es noch auf der Quay St. bevor sie in den Tamaki drive uebergeht Autohaendler.
Was kosten die Autos?
Das ist leider schwer einzuschätzen und ich kann nur unseren Wagen als Vergleich anbieten. Nissan Primera Kombi, Baujahr 1997, Automatik, Klimaanlage, 2.0L, 180.000 km, neue Bremsen, WOF (Erklärung kommt gleich) 6 Mo – $ 3.700. das sind ca. 1.900 €.
Einen noch fahrtüchtigen Backpackervan bekommt auch in etwa für diesen Preis. Einfach die Messe einmal abgehen und vergleichen. Anders geht es leider nicht. Denn die Preise sind auch davon abhängig, ob z.B. grade viel von Reisenden gekauft wird (November) oder verkauft wird (März).
Wie funktioniert ein Autokauf in Neuseeland?
- Erstens Auto aussuchen und Verkäufer ansprechen. Anschauen, hier und da klopfen, fragen wie alt die Bremsen sind o.ä. (Ich bin kein Techniker und habe davon keine Ahnung). Es ist auch völlig normal eine Proberunde zu drehen.
- Preis aushandeln. Je später die Zeit, desto mehr sind die Verkäufer handelswillig. Anderseits gibt es später auch weniger Auswahl.
- Einen Vehicle Information Report anfragen. Auf den Messen gibt es Stände, die das anbieten. Man kann es aber auch per Telefon oder per Internet erledigen (VIR 0900-843-847 Auf Telefonrechnung – $30; AA-Lemoncheck, 0800 (53 66 62) mit Kreditkarte oder 0900 (53 66 62) auf Telefonrechnung – $25, $20 für AA-Mitglieder). Im diesen Report steht rechtliche Informationen. Z.B.
- wem das Auto gehört (Es sollte der Verkäufer sein
) - ob es als gestohlen gemeldet wurde
- Wie lange die Licence of registration noch gültig ist (Man muss alle 6 Monate das Auto registrieren, sonst darf man es nicht fahren. Diese sollte auf jeden Fall noch gültig sein.
- Wie lange die WOF noch gilt (Warrant of Fitness). Das ist der Kiwi-TÜV und muss auch alle 6 Monate wiederholt werden. Auch der sollte noch gültig sein.
- Ob auf dem Auto Strafzettel oder sonstige Schulden lasten. Das ist sehr, sehr wichtig! Denn mit dem Auto kauft man “die Schulden” mit. D.h. man haftet z.B. für die Strafzettel. Auf einer car fair hat man den Vorteil, dass man an dem Stand bei Problemen hingewiesen wird. Z.B. “Der Verkäufer hatte das Auto die letzten 3 Monate nicht registriert. Fragen Sie ihn besser warum.“. Aber auf dem Ausruck im Internet stehen die Hinweise auch. Aber halt ohne den “menschlichen Hinweis”Ferner kann man an Aufklebern auf der Frontscheibe sehen, wie lange die Licence und WOF noch gelten.
- wem das Auto gehört (Es sollte der Verkäufer sein
- Lasst Euch die Driving License vom Verkäufer zeigen und vergleicht sie mit den Angaben auf dem VIR-Report.
- Technischen Checkup machen. Kostet $ 155 und ist – zumindest auf der Ellerslie Car fair bis 12 Uhr vor Ort. Ansonsten kann man einen Termin beim AA (Kiwi-ADAC) vereinbaren oder den Dienst Hometune anrufen (630 3000). Die kommen dann vorbei und checken das Auto. Da ich mich nicht auskenne, habe ich es gemacht. Es wird das Licht, Undichtigkeiten, Bremsen, Kratzer, Roststellen, etc. geprüft. Klar, versteckte Mängel gibts immer. Aber die Gefahr sinkt dadurch erheblich. Machen!
- Zur Post gehen (Oder auf der Messe bei der Bude, wo es den Vehicle Information Report gibt) das Eigentum an dem Auto übertragen. Einen Fahrzeugbrief und – Schein gibt es nicht! Die beiden Vordrucke gibt es bei der Post. Den linken füllt der Käufer und den rechten der Verkäufer aus.
Was mache ich, wenn ich nicht genug Geld dabei habe?
In diesem Fall wird der Verkäufer ein “Deposit” haben wollen. Also eine Anzahlung. 10%-20% sind üblich. Gebt sowenig wie möglich. Denn klappt der Kauf irgendwie nicht wird Eure Anzahlung verfallen oder der Verkäufer wird sie zumindest nicht rausrücken wollen.
- Verfasse einen Vertrag, der folgendes beinhalten muss:
- Eurem Namen und dem Namen des Verkäufers
- Betrag der Anzahl und den restlichen Kaufpreis
- Tag der Übergabe der Anzahlung
- Tag an dem der Wagen gegen die Zahlung des restlichen Kaufpreises übergeben wird
- Unterschrift von Euch und dem Verkäufer
- Vereinbare als Übergabeort am besten gleich neben einer Post, um das Eigentum an dem Wagen dort zu übertragen.
Autoversicherung
In Neuseeland gibt es zwei Besonderheiten.
- Die Versicherung des Wagens ist freiwillig
- Der Staat haftet für Personenschäden, so dass die PKW-Haftungsversicherung deswegen günstiger ist!
Insgesamt zahlt man für diese beim AA (vergleichbar mit ADAC) ca. $340 (ca. 170 Euro) pro Jahr. Noch weniger, nämlich ca. $130 (ca. 65 Euro) pro Jahr zahlt man, wenn man ein Schreiben der bisherigen Autoversicherers vorlegen kann, aus dem sich ergibt, dass man mindestens 5 Jahre Schadensfrei gefahren ist. Es lohnt sich das Schreiben schon in Deutschland zu beantragen. Der Selbstbehalt liegt bei $750 (ca. 375 Euro).Es gibt auch andere Versicherer aks den AA, z.B. die Banken. Bei denen war es jedoch insgesamt teuerer.
Weiter kann man das Auto auch gegen Diebstahl versichern, was ca. $200 (ca. 100 Euro) mehr im Jahr kostet. Teilkasko gibt es auch, allerdings haben wir bei unserem Wagenpreisnicht danach gefragt.
Automobilclub
Dieser nennt sich hier AA und kostet $90 pro Jahr. Ist man ADAC Mitglied und kann seine Karte vorzeigen, bekommt man 6 Monate kostenlose Mitgliedschaft. Lt. der Website des AA muss man eine schriftliche Bestätigung der Mitgliedschaft seitens des ADAC vorzeigen. Zwar hatten wir die bei, aber sehen wollte sie keiner. Sicherheitshalber würde ich die aber beim ADAC beantragen.
Woran man noch denken muss
- die Erneuerung der Registration Licence für den gewünschten Zeitraum 1/4, 1/2 oder 1 Jahr (s. Aufkleber auf der Scheibe)
- und des WOF alle 6 Monate (s. auch Aufkleber auf der Scheibe)
Weitere Informationen
- Tips zum Autokauf in Christchurch bei der Reisebiene
- Autokauf in NZ bei NZinfo
- Gute Tipps von einem Studenten
Über Hinweise, Ergänzungen, Verbesserungen und Aktualisierungen freue ich mich sehr.
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Tags: AA-Lemoncheck, Auckland, autokauf, Backpacker Car Market, Ellerslie Race Course, Licence of registration, new zealand, nissan, Real Wholesale Cars, Road User Charge, Vehicle Information Report, VIR, Warrant of Fitness
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April 8th, 2008 at 3:08 am
alter schwede, da brauchts ja ein diplom für den wagenkauf!
hatte bei einer dieser unzähligen aus/ein/zurück-wanderersendungen, die derzeit das deutsche tv überfluten, die geschichte mit den strafen, die am wagen und nicht am halter hängen auch mitbekommen.
nicht schlecht, sofern der wagen dann auch für den halter in den knast fährt!
btw: AA ist für uns deutsche auch eine schöne abkürzung. hoffen wir, dass der verein nicht ganz so scheisse ist, wie sein kürzel es vermuten lässt…
allseits gute fahrt!
April 8th, 2008 at 9:58 pm
@Zoni: wenn Juristen sowas schreiben, klingt’s halt komplizierter. *g*
Also wenn ich mal nach Kiwi-Land ziehe und ein Auto kaufen möchte, weiss ich jetzt Bescheid.
btw: “sonst steht wir bei Flaute im Dunkeln”: ist das Mundart aus Dunkeldeutschland oder nur Rechtschreibschwäche? *g*
April 9th, 2008 at 12:16 am
@Zoni:
Allerdings muss man jeden Schritt wieder neu erlernen. Ich überlege mir grade, ob ich nicht sorgenlos rumfahren und den Wagen einfach stehen lassen sollte
So kompliziert ist es eigentlich auch nicht. Genau genommen ist es mindestens so einfach wie bei uns
@Pawlox:
Hmmm, da könnte was dran sein. Es gilt ja bei Juristen der Grundsatz, dass es egal ist ob das was man schreibt Mist ist, wenn man es so gut verpackt, dass es keiner Merkt. Nach meiner Weiterentwicklung fällt kein Kack auf, wenn der Misthaufen drüber groß genug ist.
Und guter Vorschlag gut, falls Du das tust muss ich mich ja nicht mehr auf diese Automessen wagen. Ich hasse es zu handeln. Und so kann ich die Anleitung gegentesten
April 9th, 2008 at 9:01 pm
[...] ich nicht dass es nach nen paar jahren noch glänzt und ohne macken daher kommt. ist halt nen auto was draussen rumsteht mal 160 und mehr fährt, mal einparken will neben ner mauer stehen will und [...]
Mai 13th, 2008 at 9:39 pm
Hallo Thomas,
. Bequeme Limousine, Nissan Cefiro, 2.0, 160′km, Service in Garage gemacht, Klima, CD, Gangschaltung, vernünftiger Benzinverbrauch (deswegen hab ich ihn auch gekauft). WOF und Registrierung gültig. Hab in die Stadt gezügelt und brauch nun kein bequemes 2.Auto mehr. Preisvorstellung um die 4000 NZD. Interessenten melden sich unter email hidden; JavaScript is required.
Ich will grad meinen Wagen verkaufen und wollt mal sehen wie ich das am besten anstelle. Die Google Suche hat mich dann auf deine Homepage verwiesen. Ich gratuliere zur guten Homepage. Jetzt weiss ich zumindest was die Touris erwarten, wenn sie ein Auto von einem Kiwi abkaufen wollen.
Ich bin vor anderthalb Jahren nach Neuseeland gezogen und lebe in der sonnigen Bay of Plenty. In zwei Wochen fahre ich mit meinem vorläufig letzten CH Besuch nach Auckland an den Flughafen und will dann unser Drittauto loswerden. Da deine Homepage sehr aktuell ist ist, dachte ich, es könnt ja sogar sein, dass jemand deinen Blog liest, der grad in zwei Wochen ein Fahrzeug braucht
Mai 14th, 2008 at 11:05 pm
@Erika: Aber bitte doch
Ich wünsch Dir Erfolg, denn wie ich grade von anderen Abreisende mitkriege, haben die auch Probleme um diese Jahreszeit Ihr Auto los zu werden.
Und vielen Dank für das Lob!
Juli 12th, 2009 at 7:10 pm
Hallo Thomas, Hallo Katja,
Eure Seite und die Video Beiträge finden wir total gelungen und haben danach noch mehr Lust auf NZ bekommen.
Anja und ich planen eine Auszeit in Neuseeland für 3 Monate.
Würden uns mal gerne mit euch persönlich unterhalten, da wir noch einige Fragen bzgl. Internet Erreichbarkeit und Handy etc .. Visum haben.
Leider habt ihr keine Telnr. angegeben.
Ruft doch mal an: 06853 – 400424, damit wir die Kontaktdaten austauschen können.
Grüße
Jörg Hoffmann und Anja Lambert
Januar 8th, 2012 at 1:37 pm
gibt es den irgendwo eine schlüsselnummer für teilebestellung wie im fahrzeugschein in deutschland?
will nämlich paar e-teile für mein dad kaufen und nach neuseeland schicken. aber ohne schlüsselnummer komm ich nicht weit?
grüße marco